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Telekom will Geld von Inhaltsanbietern

Hat Kai-Uwe Ricke das Schicksal von Compuserv schon vergessen?

2006-02-24, Quelle: Eigenbericht (fastix - a.k.a. Jörg Reinholz)
Die Telekom sieht ein neues Geschäft: Geld von Inhaltsanbietern wie Google, eBay, Amazon - und natürlich auch kleineren Firmen. Offensichtlich stellt man sich das in der Geschäftsleitung so vor, das diese Anbieter, neben den bisherigen Kunden, zum nochmals erhöhten Profit beitragen werden:

"Es kann nicht sein, dass nur der Kunde über das monatliche Grundentgelt für diese schöne neue Welt bezahlt. Auch alle Webunternehmen, die Infrastrukturen für ihr Geschäft nutzen, sollten dann ihren Beitrag leisten."

So liest sich das, nachdem der klare und einfache Fakt, dass die Telekom Geld sehen will, von PR-Spezialisten und Marketing-Managern verneusprecht und von Kai-Uwe Ricke vorgetragen wurde.

Nur: Ob das so passt, ist mehr als fraglich.

Zunächst werden lange nicht alle Inhaltsanbieter bereit sein, dafür zu zahlen, dass man deren Inhalte abrufen kann. Selbst die, die bereit sind, werden auch nicht "ganz" freiwillig bezahlen, müssen überredet werden. Ein Vertriebsteam muss her, und das braucht Büros, Computer, Software, Entscheider, Angestellte. Das wird richtig Geld kosten! Auf der anderen Seite müssen natürlich auch die Inhaltsanbieter überlegen und Entscheidungen treffen. In der Folge wird die Chose definitiv so enden, dass aufgrund des ungleich erhöhten Verwaltungsaufwandes immer der Internetbenutzer, also der Kunde mit Mehrkosten oder noch mehr nervender Werbung belastet werden wird. Ein Grund zum Weglaufen.

Ein Blick in die Geschichte:

Es gab da mal einen Quasimonopolist: Compuserve. Der bot "Internetzugänge" über das SLIP-Protokoll an. Tolle Sache, ist leider nicht Standard geworden, weil kompliziert (Kai Uwe Ricke will es gerade kompliziert machen), nicht so universell zu gebrauchen wie das heute noch gebrächliche PPP-Protokoll (Wie gut ist das "Internet" mit einer gewissen Anzahl fehlender Anbieter zu gebrauchen?) und vor allem- das von Compuserve angebotene "Internet" war auch keines. Selbst AOL, also die Firma, die Compuserve später übernommen hatte, krankte lange Zeit und etliche Softwareversionen später noch an solch unsinnigen Vorstellungen.

Was wird also passieren, wenn die Telekom anfängt und in China bewährte Filtertechniken einsetzt, um Inhalteanbieter draußen zu halten?

Ganz einfach: die Kunden werden sich verwundert die Augen reiben wenn Google und Co. aus dem Netz der Telekom nicht mehr erreichbar sind und weglaufen, wie seinerzeit von Compuserve. Es gab und es wird immer Zugangsprovider geben, die diese Gebühren nicht erheben wollen und deshalb nicht anfangen zum Kundennachteil das Netz zu atomisieren. Daraus werden der Telekom, zusätzlich zum Verwaltungsaufwand, Kosten und vor allem auch Umsatzverluste entstehen. Da wird dem Konzern auch die Vertragsbindung nichts nützen, bei einer so wesentlichen Leistungseinschränkung haben die Kunden Sonderkündigungsrechte, sind nicht zu halten- und die Kunden, deren Aufruf von Google, eBay oder Amazon fehlschlägt werden nicht nur klagen, sondern gehen und zur Not darauf klagen, gehen zu dürfen. Da kann sich der Kay-Uwe drauf verlassen.

Noch zehn solcher Ideen mehr und man muss die .T... auf magentafarbenen Untergrund in den Geschichtsbüchern suchen. Also da wo Compuserve schon ist. Vermutlich wird man sich bei Arcor, Mobilcom & Co. schon die Hände reiben und bald anfangen Kapazitäten zu installieren um die Kundenflucht weg von der Telekom auffangen zu können.

Den Wettbewerb wird es freuen.

Wenn es der Telekom nicht passt, dass Inhalteanbieter Geld verdienen und höhere Gewinnquoten vorweisen, als Kai-Uwe Ricke das kann, dann muss man sich fragen: Wieso wird die Telekom nicht selbst Inhaltsanbieter? Personal ist genug vorhanden, aber das setzt man lieber zu zehntausenden auf die Straße- für kurzfristige Effekte am Aktienmarkt. Geld ist genug da. Die Telekom macht Gewinne, die sich dem normalen Menschenverständnis entziehen. Intelligenz kann man, so man sie nicht hat, kaufen: Auf dem Arbeitsmarkt gibts genug gut ausgebildete und fähige Leute mit und bei Bedarf auch ohne Ideen. Nur braucht man in der Konzernspitze Phantasie, die Telekom hat aber statt dessen Regeln... wie all jene Konzerne, deren Geschäftsleitung nicht mit der Größe des Ladens umgehen können- dann werden die eben schrumpfen.

Einfache Regel:

Ein Zugangsprovider ist ein Zugangsprovider ist ein Zugangsprovider. Wenn er das nicht sein will, dann ist der Provider seines eigenen Abganges.

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